Lohnt sich eine Alarmanlage in einem Mehrfamilienhaus?

Immer wieder werde ich von Kunden gefragt, ob es denn überhaupt notwendig sei, in einem Mehrfamilienhaus eine Alarmanlage zu installieren. Denn schließlich wohnen ja mehrere Parteien da und in der Regel kennt man sich gegenseitig.

Es könne also nur schwer zu einem Einbruch kommen, da man ja immer ein Auge darauf hat, wer im Haus ein und aus geht.

Diese Aussagen von Interessenten sind leider ein weit verbreiteter Irrglaube und mit meinem heutigen Artikel will ich einige Argumente vorbringen, die diesen Irrglauben hoffentlich ein für alle Male abschaffen.

Mehrfamilienhäuser sind bei Einbrechern beliebt!

Zunächst muss man aber beachten, dass nicht alle Mehrfamilienhäuser gleich sind.

Wohnt man in einem Haus mit zwei Parteien ist es nämlich etwas anders, als wenn zehn Parteien oder mehr in einem Haus wohnen.Mehrfamilienhaus

Ein einfaches Szenario um das ganze zu verdeutlichen:

Ein Einbrecher versucht gerade in die Wohnung im dritten Stock einzubrechen und macht sich an der Wohnungstür zu schaffen.

Sie kommen aus dem vierten Stock herunter gelaufen und eigentlich direkt am Einbrecher vorbei.

Der Einbrecher hört Sie aber bereits oben aus der Tür kommen und wenn Sie an ihm vorbei laufen tut er einfach so, als würde er bei Ihrem Nachbarn klingeln.

Bei einem Haus mit zehn Parteien kennen Sie nicht alle Bekannten und Freunde Ihrer Nachbarn.

Hinzu kommt, dass Sie vermutlich wie so oft gerade in Eile sind und eher die Treppen hinunter rennen, als aufmerksam gehen.

Der Einbrecher hat also von Ihnen überhaupt nichts zu befürchten, da Sie ihn bereits vergessen haben, wenn Sie aus der Tür hinaus sind.

Ein Mehrfamilienhaus ist wie ein Einkaufsparadies für Einbrecher…

Mehrfamilienhaus ist wie EinkaufsparadiesWenn der Einbrecher nun mit der einen Wohnung fertig ist, geht er einfach nach gleichem Schema zur nächsten Wohnung über und kann so an einem Vormittag, wenn die meisten beim Arbeiten und in der Schule sind, gemütlich sein Geld stehlen.

Er hat noch nicht einmal ein großes Risiko, da er nicht um ein Gebäude schleichen muss, sondern einfach einmal in das Mehrfamilienhaus hinein muss und sich dann von Stockwerk zu Stockwerk durcharbeiten kann.

Jedes Gebäude ist für Einbrecher interessant!

Man muss sich eines immer vor Augen führen. Für einen Einbrecher ist jedes Gebäude prinzipiell ein lohnendes Ziel.

Bereits 200 bis 400 Euro, die ein Einbrecher in einem Gebäude klaut lohnen sich für diesen. Es wird daher nicht nur in wohlhabenden Gegenden eingebrochen, sondern in jedem Haus und jeder Wohnung, die sich dem Einbrecher anbietet.

Und ein Mehrfamilienhaus ist einfach weniger Risiko bei mehr Gelegenheiten.

Wie kann man also ein Mehrfamilienhaus vor Einbrüchen schützen?

Einbrecher mit BrechstangeHier muss zunächst auf den rechtlichen Aspekt eingegangen werden. Das gesamte Objekt, sowie der Flur darf nicht überwacht werden. Außer man hat von jedem einzelnen Bewohner die schriftliche Zustimmung und selbst dann birgt es einige rechtliche Fallstricke.

Daher findet die Einbruchsicherung in der eigenen Wohnung statt.

Idealerweise wird im Flur der Wohnung ein Bewegungsmelder mit Alarmanlage installiert. Diese stellt bei einem Einbruch eine Sprechverbindung mit einer Leitzentrale her, in welcher ein Wachmann direkt live benachrichtigt wird.

Über die Sprechverbindung kann der potentielle Einbrecher nun direkt angesprochen werden und sollte er er sich nicht als berechtigte Person ausweisen können, so wird direkt die Polizei verständigt.

Die Sprechverbindung wird über ein so sensibles Mikrofon ausgelöst, dass selbst Schubladen die geöffnet werden vom Wachmann gehört werden können. Der Einbrecher hat also keine Chance sich zu verstecken.

Aber keine Sorge! Das Mikrofon kann nur aktiviert werden, wenn die Alarmanlage ausgelöst hat!

Diese Art der akustischen Überwachung macht Videokameras völlig überflüssig. Das ist zum Einen günstiger und zum Anderen dient eine Kamera in den allerwenigsten Fällen zur Tätererkennung.

Der Einbrecher kann doch trotzdem seinen Einbruch unerkannt fortsetzen!

Werden Sie nun vermutlich einwerfen. Aber haben Sie schon einmal beobachtet, was passiert, wenn man ein Kind anspricht, dass gerade etwas verbotenes tut?

Ertapptes Kind

Es fühlt sich sofort ertappt und hält inne. Das ist eine menschliche Eigenschaft, die nicht nur kleine Kinder haben. In jedem Alter verhält sich der Mensch in solchen Situationen zu 99% gleich.

Bei Einbrechern läuft es genau gleich ab.

Und ein weiterer wichtiger Punkt, wieso diese Methode so wunderbar funktioniert: Der Einbrecher weis nicht, wie lange es dauert bis die Polizei kommt.

Da nicht erst festgestellt werden muss, ob es sich um einen Einbruch handelt oder nicht (das hat schließlich der Wachmann am anderen Ende der Sprechverbindung übernommen), wird sofort die Polizei verständigt. Und die nächste Streife könnte gerade um die Ecke sein.

Der Einbrecher wird also schleunigst das Weite suchen, da er natürlich nicht geschnappt werden will. Der Einbruch ist also abgewehrt, Vandalismusschäden auf ein minimalstes reduziert und der Beutezug im Keim erstickt.

Aber er kann doch dennoch beim Verlassen der Wohnung einiges mitgehen lassen!

Absolut richtig. Wenn Sie zum Beispiel einen Laptop direkt auf der Kommode vor der Eingangstür liegen haben, wird der Einbrecher diesen vermutlich mitnehmen.

Aber alle anderen Wertgegenstände wie Ihre teure Uhr im Nachttisch oder der neue Fernseher im Wohnzimmer bleiben heil und unberührt. Das Geschirr wird nicht auf den Boden geschmissen und Ihre Vitrinen bleiben auch ganz.

Hier mal eine kleine Statistik aus unserem täglichen Arbeitsumfeld: Bei den über 1000 Installationen unserer Alarmsysteme allein in Bayern kam es nie zu Vandalismus oder Beutezug. Die Täter sind immer sofort bei Aktivierung der Sprechverbindung und direkter Ansprache durch den Wachmann geflohen.

Kann ich nicht auch andere Alarmanlagen einsetzen um meine Wohnung zu sichern?

Klassische AlarmanlageSelbstverständlich können Sie das! Hier mal nur drei wirklich gute Gründe, warum die meisten Alarmanlagen nicht wirklich schützen.

1. Bei einer normalen Alarmanlage wird ein akustisches Signal ausgelöst, wenn sie nicht innerhalb weniger Sekunden durch einen Code deaktiviert wird.

Das Problem dabei ist, dass wenn ein Alarm ausgelöst wird zunächst einmal jemand nachprüfen muss, ob es sich um einen echten oder falschen Alarm handelt.

Erst wenn das geklärt ist, wird die Polizei verständigt. Da wir bereits weiter oben festgehalten haben, dass ein durchschnittlicher Einbruch zwischen 5 und 7 Minuten dauert, ist diese Methode meist ziemlich nutzlos und sorgt eher dafür, dass man mehr Ärger durch Fehlalarme hat.

2. Videokameras zeichnen meist den Einbruch auf und sollen im Idealfall bei der späteren Ergreifung der Täter helfen.

Das Problem hierbei ist, dass die meisten Einbrecher Masken tragen und so auf den Videoaufzeichnungen sowieso nicht identifiziert werden können. Tatsächlich gibt es unzählige solcher Videos von Einbrüchen, auf denen man sehr schön sehen kann, dass sich die Einbrecher selbst von der Sirene und der Videokamera in keinster Weise aus der Ruhe bringen lassen.

Sie wissen nämlich genau, bis festgestellt wird, ob es ein echter oder falscher Alarm ist, sind sie längst wieder über alle Berge.

3. Videoüberwachung die das Video direkt auf das Smartphone schickt, hat gleich zwei Probleme.

Zum Einen setzt es natürlich voraus, dass man immer Empfang hat und auch das Telefon immer auf Laut gestellt hat, damit man auch wirklich mitbekommt, wenn man einen Alarm bekommt. Denken Sie an die 5 Minuten Zeitfenster des Einbruchs.

Sie machen sich also selbst zum 24 Stunden Sklaven Ihres Smartphones.

Zum Anderen sind diese Systeme erwiesenermaßen sehr leicht zu hacken, was mittlerweile bereits mehrfach in den Medien vorgeführt wurde. Sie geben somit den Einbrechern also quasi direkt Zugang zu Ihrem Zuhause und lassen diesen im schlimmsten Fall Ihre Wohnung vor dem Einbruch aus der Ferne auskundschaften.

Ein Überwachungsschutz in Mehrfamilienhäusern ist absolut notwendig!

Sie sehen also, dass auch und gerade in Mehrfamilienhäusern eine Alarmanlage absolut Sinn macht und die Gefahr von Einbrüchen in Mehrfamilienhäusern genau so hoch, wenn nicht teilweise sogar höher ist, als in Einfamilienhäusern.

Ich hoffe, ich konnte durch meine Ausführungen für etwas mehr Aufklärung sorgen und Ihnen dabei helfen, bei der Wahl der richtigen Alarmanlage auf die wichtigen Dinge zu achten.

Über den Autor

Ich vertrete die Meinung, Sicherheit ist ein hohes Gut und jeder ein Recht auf den besten Schutz. Meine Mission ist es, vielen Menschen rechtzeitig zu helfen, bevor es zu spät ist. Was ist, wenn nicht mehr Sie entscheiden, wer sich Zutritt zu Ihrem Eigentum verschafft?

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